Investitionskredite sind für viele Unternehmen ein wichtiges Werkzeug, um zu wachsen, zu modernisieren oder neue Geschäftsfelder zu erschließen. Doch rund um das Thema Finanzierung kursieren jede Menge Mythen und Halbwahrheiten – und die können im schlimmsten Fall richtig teuer werden.
In diesem Artikel räume ich mit den häufigsten Irrtümern rund um Investitionskredite auf – und zeige euch, was wirklich zählt, wenn ihr einen Kredit aufnehmen wollt.
1. „Ich brauche kein Eigenkapital, ich nehme einfach alles auf Kredit.“ ❌
📌 Das ist einer der häufigsten Denkfehler.
✅ Richtig ist:
Die Bank erwartet einen Eigenanteil, weil sie sehen will, dass ihr selbst auch investiert und Verantwortung übernehmt.
Ohne Eigenkapital gibt’s entweder gar keinen Kredit – oder nur zu deutlich schlechteren Konditionen.
💡 Faustregel:
Mindestens 10–30 % Eigenmittel solltet ihr je nach Branche und Projekt einbringen können.
2. „Der niedrigste Zinssatz ist automatisch das beste Angebot.“ ❌
📌 Klingt logisch, stimmt aber oft nicht.
✅ Richtig ist:
Der effektive Jahreszins zählt – also inklusive aller Nebenkosten, Gebühren und Zahlungsmodalitäten.
Außerdem spielen Sondertilgungen, Laufzeit, Flexibilität und Zinsbindung eine riesige Rolle. Ein etwas höherer Zins kann günstiger sein, wenn ihr dafür z. B. ohne Vorfälligkeitsentschädigung früher tilgen könnt.
💡 Tipp: Immer das Gesamtpaket vergleichen, nicht nur die Ziffer hinter dem Komma.
3. „Ich muss mein Haus verpfänden, sonst bekomme ich keinen Kredit.“ ❌
📌 Viele denken, ohne private Immobilie geht nichts – vor allem bei Einzelunternehmen oder Gründern.
✅ Richtig ist:
Es gibt viele Arten von Sicherheiten – z. B. Maschinen, Bürgschaften, Forderungen, Rücklagen oder Beteiligungskapital.
Außerdem gibt es Förderprogramme mit Haftungsfreistellung, bei denen keine persönlichen Sicherheiten nötig sind.
💡 Tipp: Sucht gezielt nach Förderkrediten mit reduziertem Sicherheitsbedarf – z. B. über die KfW oder Bürgschaftsbanken.
4. „Ein Kredit bedeutet immer Stress mit der Bank.“ ❌
📌 Viele Unternehmer denken, dass sie der Bank „ausgeliefert“ sind und sich verbiegen müssen.
✅ Richtig ist:
Eine gute Bank will euch als Kunden – vor allem, wenn ihr sauber vorbereitet, transparent und professionell auftretet.
Das Kreditgespräch ist keine Prüfung, sondern ein partnerschaftlicher Austausch.
💡 Tipp: Je besser ihr vorbereitet seid (Zahlen, Konzept, Unterlagen), desto entspannter wird das Gespräch – und desto mehr Spielraum habt ihr bei der Verhandlung.
5. „Ein Kredit bindet mich jahrelang – das ist zu unflexibel.“ ❌
📌 Falsch gedacht.
✅ Richtig ist:
Viele Investitionskredite lassen sich mit Sondertilgungen, Umschuldungen oder Tilgungspausen anpassen. Ihr könnt eure Finanzierung oft nachjustieren, wenn sich eure Unternehmenssituation ändert.
💡 Tipp: Unbedingt bei Vertragsabschluss Sondertilgungsrechte oder flexible Laufzeitmodelle verhandeln.
6. „Förderkredite sind viel zu kompliziert – das lohnt sich nicht.“ ❌
📌 Ja, der Papierkram ist da. Aber:
✅ Richtig ist:
Förderkredite haben oft bessere Konditionen (niedriger Zins, tilgungsfreie Jahre, Zuschüsse).
Viele Hausbanken unterstützen euch bei der Beantragung – und es gibt zahlreiche Förderlotsen, die euch durch den Prozess begleiten.
💡 Tipp: Besonders für Gründer, Digitalisierungs- oder Energieprojekte lohnt sich der Aufwand fast immer.
7. „Lieber noch warten – vielleicht wird es später einfacher.“ ❌
📌 Klingt vorsichtig, ist aber manchmal kontraproduktiv.
✅ Richtig ist:
Manchmal ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Wenn Zinsen gerade günstig sind, die Investition dringend gebraucht wird oder ein Wachstumsfenster offen ist – dann solltet ihr nicht zögern.
💡 Tipp: Lasst euch beraten, ob euer Timing strategisch sinnvoll ist – und ob es Förderfenster gibt, die bald auslaufen.
Fazit: Gute Entscheidungen basieren auf Wissen – nicht auf Mythen
📌 Viele Fehlannahmen rund um Investitionskredite halten sich hartnäckig – und halten Unternehmer davon ab, wertvolle Chancen zu nutzen.
✅ Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen:
✔ Eigenkapital ist wichtig, aber nicht alles
✔ Zinsen sind nur ein Teil der Wahrheit
✔ Es gibt viele Alternativen zu harten Sicherheiten
✔ Die Bank ist kein Gegner – sondern Partner
✔ Förderkredite sind machbar und lohnenswert
✔ Flexibilität ist verhandelbar
✔ Abwarten ist nicht immer klug
💬 Welche Irrtümer hast du schon erlebt – oder lange geglaubt? Und wie hast du sie überwunden? Schreib’s mir in die Kommentare – ich freu mich auf den Austausch!