Seit Jahren war es so einfach wie selten zuvor: Geld gab’s günstig, Zinsen waren niedrig, und viele Unternehmer haben die Chance genutzt, ihren Betrieb durch Investitionen nach vorne zu bringen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Zinswende ist da – und sie betrifft uns alle.
Die Frage, die ich mir und euch stelle: Was heißt das jetzt konkret für Investitionskredite?
Die goldenen Jahre sind vorbei
Ich erinnere mich noch gut an die Gespräche mit meiner Bankberaterin vor zwei, drei Jahren. Sie sagte damals sinngemäß: „Wenn Sie investieren wollen – dann jetzt. Günstiger wird’s nicht.“
Und sie hatte recht. Kredite mit 1 oder 1,5 % Zins – das war für viele Betriebe ein No-Brainer.
Heute? Da sieht die Sache ganz anders aus. Die Zinsen liegen teilweise bei über 5 %. Nicht dramatisch, wenn man es historisch betrachtet – aber für die heutige Wirtschaft ein echter Dämpfer.
Teurere Kredite = weniger Investitionen?
Man könnte meinen: Dann lassen es die Unternehmen halt. Wenn der Kredit teurer wird, wird eben nicht investiert. Aber so einfach ist es nicht.
Manche Investitionen sind schlicht notwendig. Digitalisierung, neue Maschinen, Energieeffizienzmaßnahmen – all das kann man nicht ewig aufschieben. Aber man schaut eben genauer hin. Rechnet anders. Priorisiert strenger.
Und genau da wird es interessant: Wer gut plant, vergleicht und Förderungen nutzt, kann auch in Zeiten höherer Zinsen clever investieren.
Zinsen sind nicht alles
Was ich immer wieder betone – auch mir selbst: Der Zinssatz ist nur eine Komponente. Ja, er wirkt sich auf die monatliche Rate aus, und ja, er beeinflusst die Gesamtkosten. Aber er ist nicht der alleinige Entscheidungsfaktor.
Viel wichtiger ist die Frage: Was bringt mir die Investition unterm Strich? Schafft sie mehr Effizienz, mehr Umsatz, mehr Unabhängigkeit? Dann lohnt sie sich womöglich trotzdem – auch mit einem höheren Zinssatz.
Ich habe neulich mit einem Unternehmer gesprochen, der trotz 5,3 % Zinsen in neue CNC-Technik investiert hat. Warum? Weil er damit zwei Aufträge gleichzeitig abwickeln kann, statt nacheinander. Das rechnet sich.
Was tun in der Zinswende?
Was ich gerade vielen empfehle: Jetzt nicht in Schockstarre verfallen, sondern mit offenen Augen durch die Finanzierungslandschaft gehen.
Es gibt immer noch Förderprogramme mit vergünstigten Zinsen, Bürgschaften, Sonderkonditionen. Es gibt auch Banken, die bereit sind, bei guter Vorbereitung mit sich reden zu lassen. Aber eben nicht mehr zum Nulltarif.
Und manchmal hilft ein bisschen Kreativität: Vielleicht lässt sich eine Investition auch teilweise leasen, vielleicht hilft ein Teil-Eigenkapital aus Rücklagen, um den Kreditbedarf zu senken. Oder es ergibt sich eine Kombination mit einem Zuschuss, die das Ganze wieder ins Lot bringt.
Fazit – Investieren mit Verstand, nicht aus Gewohnheit
Die Zinswende ist kein Weltuntergang. Aber sie ist ein Weckruf. Wer heute investieren will, muss sauber kalkulieren, die Finanzierung durchdenken und sich gut vorbereiten. Einfach „mal machen“ wie vor ein paar Jahren – das ist vorbei.
Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht. Denn durchdachte Investitionen waren schon immer die besseren.