Egal ob ihr eine Maschine, eine Immobilie oder ein digitales Projekt mit einem Investitionskredit finanziert: Irgendwann läuft die Zinsbindung aus – und dann braucht ihr eine Anschlussfinanzierung.
Viele Unternehmer schieben dieses Thema gerne vor sich her – nach dem Motto „Kümmern wir uns, wenn’s soweit ist“. Doch genau das kann teuer werden. Wer nicht vorbereitet ist, zahlt oft höhere Zinsen, verliert Verhandlungsspielraum – oder gerät sogar in einen Liquiditätsengpass.
In diesem Artikel erfahrt ihr:
✅ Was eine Anschlussfinanzierung überhaupt ist,
✅ Welche Optionen ihr habt,
✅ Wie ihr euch optimal vorbereitet – und wann der richtige Zeitpunkt ist, aktiv zu werden.
1. Was ist eine Anschlussfinanzierung?
📌 Eine Anschlussfinanzierung ist die Fortsetzung eurer Kreditrückzahlung, nachdem die Zinsbindung eures bisherigen Investitionskredits abgelaufen ist.
Der Kredit selbst ist meist noch nicht vollständig getilgt, aber der ursprünglich vereinbarte Zinssatz endet – und ihr braucht eine neue Vereinbarung für die Restschuld.
💡 Ohne Anschlussfinanzierung bleibt euch nur eins: den Kredit komplett zurückzahlen (was selten realistisch ist).
2. Wann ist eine Anschlussfinanzierung nötig?
In der Regel:
- Nach Ablauf der Zinsbindung (z. B. 5, 10 oder 15 Jahre)
- Wenn ihr vorher nicht den kompletten Kredit getilgt habt
- Bei Förderkrediten mit fester Zinslaufzeit (z. B. KfW, L-Bank)
📌 Wichtig: Bei klassischen Investitionskrediten ist die Laufzeit häufig länger als die Zinsbindung – und dann wird eine neue Finanzierungsrunde fällig.
3. Welche Möglichkeiten habt ihr?
✅ 1. Prolongation bei der bisherigen Bank
→ Ihr verlängert den Kredit mit neuen Konditionen bei derselben Bank
Vorteile:
✔ Einfach, schnell, weniger Aufwand
✔ Kein Wechsel nötig
Nachteile:
❌ Meist wenig Spielraum bei den Konditionen
❌ Kein Wettbewerb, daher oft schlechtere Zinsen
✅ 2. Umschuldung zu einer anderen Bank
→ Ihr löst den bestehenden Kredit ab und schließt bei einer neuen Bank eine neue Finanzierung ab (inkl. Ablöse der Restschuld)
Vorteile:
✔ Günstigere Zinsen durch Bankwechsel möglich
✔ Besseres Angebot durch Wettbewerb
✔ Chance auf bessere Tilgungsbedingungen
Nachteile:
❌ Mehr Aufwand, neue Bonitätsprüfung
❌ Eventuell neue Sicherheiten notwendig
❌ Bei Gewerbeimmobilien: evtl. Notarkosten für Grundschuldübertragung
✅ 3. Vollständige Rückzahlung
→ Wenn ihr genügend Rücklagen habt oder z. B. durch Verkauf, Eigenkapital oder Gewinn einen Schlussstrich ziehen wollt
Vorteile:
✔ Kreditfrei, keine Zinslast mehr
✔ Mehr Liquidität und Bonität
Nachteile:
❌ Liquidität wird stark belastet
❌ Kann strategisch unklug sein, wenn Kapital anderweitig gebraucht wird
4. Wann solltet ihr euch um die Anschlussfinanzierung kümmern?
📌 Frühzeitig! Idealerweise 12 bis 18 Monate vor Ablauf der Zinsbindung.
So habt ihr genug Zeit, um:
- Angebote zu vergleichen
- Fördermöglichkeiten zu prüfen
- Sicherheiten neu zu strukturieren
- ggf. einen Bankwechsel zu organisieren
💡 Tipp: Einige Banken bieten sogenannte Forward-Darlehen – damit könnt ihr euch heutige Zinsen für die Zukunft sichern.
5. Was ist ein Forward-Darlehen?
Ein Forward-Darlehen ist eine Art „Kredit in der Zukunft“ – mit heute festgelegten Zinsen.
✅ Vorteile:
- Planungssicherheit bei steigenden Zinsen
- Abschluss bis zu 60 Monate im Voraus möglich
❗ Aber:
- Bei fallenden Zinsen zahlt ihr ggf. drauf
- Es gibt meist einen Zinsaufschlag je Monat Vorlaufzeit
💡 Tipp: Ideal für Unternehmer, die steigende Zinsen erwarten – aber trotzdem sicher kalkulieren wollen.
6. Worauf solltet ihr bei der Anschlussfinanzierung achten?
🔍 1. Höhe der Restschuld prüfen
→ Wie viel ist noch offen? Wie sieht euer Tilgungsplan aus?
🔍 2. Marktvergleich einholen
→ Nicht nur bei eurer bisherigen Bank anfragen – holt Vergleichsangebote ein!
🔍 3. Tilgungsstrategie überdenken
→ Passt die bisherige Rate noch zu eurer Liquidität? Sondertilgungen sinnvoll?
🔍 4. Sicherheiten aktualisieren
→ Gibt es neue Vermögenswerte? Alte Sicherheiten, die rausfallen? Alles prüfen.
🔍 5. Steuerliche Auswirkungen prüfen
→ Vorzeitige Ablösungen, Sondertilgungen oder Umschuldungen können steuerlich relevant sein – fragt euren Steuerberater.
7. Häufige Fehler bei der Anschlussfinanzierung – und wie ihr sie vermeidet
🚫 1. Zu spät angefangen
→ Wenig Auswahl, Zeitdruck = schlechte Konditionen
🚫 2. Nur bei der alten Bank angefragt
→ Keine Markttransparenz, keine Verhandlungsbasis
🚫 3. Keine Tilgungsanpassung gemacht
→ Alte Raten passen oft nicht mehr zur neuen Unternehmenssituation
🚫 4. Forward-Darlehen ohne Zinsanalyse abgeschlossen
→ Kann teuer werden, wenn die Zinsen entgegen der Erwartung fallen
🚫 5. Sicherheiten ungeprüft übernommen
→ Neue Bewertung kann Spielraum bringen – z. B. durch gestiegene Immobilienwerte
8. Fazit: Anschlussfinanzierung ist kein notwendiges Übel – sondern eine Chance
📌 Wer sich rechtzeitig mit der Anschlussfinanzierung beschäftigt, kann nicht nur Geld sparen – sondern auch seine Finanzierung optimieren und strategisch anpassen.
✅ Das Wichtigste:
✔ Mindestens 12 Monate vorher aktiv werden
✔ Angebote vergleichen – nicht nur bei der alten Bank
✔ Tilgung, Sicherheiten & Laufzeit neu prüfen
✔ Forward-Darlehen nur mit Zinsprognose
✔ Beratung (z. B. durch Steuerberater oder Finanzierungsexperten) nutzen
💬 Wie geht ihr mit dem Thema Anschlussfinanzierung um? Wart ihr schon mal in der Situation – oder steht sie bald an? Schreibt’s mir gern in die Kommentare!