Wenn ihr einen Investitionskredit aufnehmt, müsst ihr euch irgendwann die berühmte Frage stellen:
Fester Zinssatz oder variabler Zinssatz?
Gerade in Zeiten schwankender Leitzinsen kann diese Entscheidung schnell mehrere Tausend Euro Unterschied ausmachen – im Guten wie im Schlechten.
In diesem Artikel erfahrt ihr:
✅ Was ein variabler Zinssatz ist und wie er funktioniert,
✅ Wann er sinnvoll ist – und wann ihr lieber auf einen festen Zins setzen solltet,
✅ Welche Kombi-Modelle es gibt und wie ihr das Risiko steuert.
1. Was ist ein variabler Zinssatz eigentlich?
📌 Ein variabler Zinssatz bedeutet:
Der Zinssatz eures Kredits ist nicht festgeschrieben, sondern verändert sich regelmäßig – abhängig vom Referenzzinssatz, z. B. dem EURIBOR oder dem EZB-Leitzins.
🔄 Typisch:
- Anpassung alle 3 oder 6 Monate
- Zins wird regelmäßig neu berechnet
- Ihr bekommt eine Info von der Bank über die Änderung
💡 Vorteil: Wenn die Zinsen sinken, zahlt ihr weniger.
🚨 Nachteil: Wenn die Zinsen steigen, steigen auch eure Kreditkosten.
2. Fester vs. variabler Zinssatz – der Vergleich
Merkmal | Fester Zinssatz | Variabler Zinssatz |
---|---|---|
Zins bleibt gleich | ✅ Ja | ❌ Nein |
Planungssicherheit | ✅ Hoch | ❌ Niedrig |
Vorteil bei fallenden Zinsen | ❌ Nein | ✅ Ja |
Risiko bei steigenden Zinsen | ❌ Gering | ⚠ Hoch |
Kündigung durch Kunden | ❌ Selten möglich | ✅ Oft flexibel |
Flexibilität | ❌ Gering | ✅ Hoch |
🎯 Fester Zins = Sicherheit und Planbarkeit
🎯 Variabler Zins = Flexibilität und Chance auf sinkende Kosten
3. Wann lohnt sich ein variabler Zinssatz?
✅ 1. Bei kurzer Laufzeit (1–3 Jahre)
→ Das Zinsrisiko ist überschaubar, ihr profitiert bei Zinssenkungen schneller.
✅ 2. Wenn ihr von sinkenden oder stabilen Zinsen ausgeht
→ Z. B. wenn der Leitzins schon länger auf hohem Niveau ist und bald wieder fallen könnte.
✅ 3. Wenn ihr jederzeit sondertilgen oder umschulden wollt
→ Variable Kredite sind oft flexibel kündbar – ideal, wenn ihr bald Liquidität erwartet oder umschichten wollt.
✅ 4. Wenn ihr finanzielle Puffer habt
→ Ihr könnt kurzfristige Zinsanstiege abfedern, ohne in Schieflage zu geraten.
💡 Tipp: Für Unternehmen mit hohem Cashflow und kurzfristigem Kapitalbedarf ist der variable Zins oft günstiger – aber nur mit gutem Risikomanagement.
4. Wann ist ein fester Zinssatz die bessere Wahl?
✅ 1. Bei langer Laufzeit (ab 5 Jahren)
→ Sicherheit geht vor: Ihr wollt stabile Raten über viele Jahre.
✅ 2. Wenn ihr euer Budget genau planen müsst
→ Gerade bei engen Margen oder Investitionen mit festen Rückflüssen (z. B. Leasingraten vom Kunden).
✅ 3. Wenn steigende Zinsen wahrscheinlich sind
→ Z. B. bei hoher Inflation, angespannten Märkten oder EZB-Signalen für Leitzinserhöhungen.
✅ 4. Wenn ihr kein Risiko wollt (und ruhig schlafen möchtet)
→ Festzins = kein Nachrechnen, keine Überraschung.
💡 Tipp: Auch bei einem scheinbar „höheren“ festen Zinssatz könnt ihr über die gesamte Laufzeit günstiger fahren, wenn der variable Zins später stark steigt.
5. Kombi-Modelle: Das Beste aus beiden Welten?
Viele Banken bieten inzwischen sogenannte Zinsmix-Modelle an:
🔹 Beispiel:
- 50 % der Kreditsumme mit festem Zins
- 50 % mit variablem Zins
→ Ihr profitiert teilweise von Zinssenkungen, habt aber auch einen sicheren Sockel
🔹 Alternative:
- Fester Zins für 5 Jahre, danach variabel → oder umgekehrt
→ Gut für langfristige Projekte mit kurzfristigem Kapitalbedarf zu Beginn
💡 Tipp: Wer flexibel bleiben will, aber trotzdem nicht alles dem Markt überlassen möchte, ist mit einem Kombimodell gut beraten.
6. Absicherungsstrategien für variable Kredite
📌 1. Zinscap (Zinsobergrenze)
→ Vertraglich festgelegte Höchstgrenze für den Zinssatz
→ Ihr könnt von niedrigen Zinsen profitieren – aber seid bei Anstieg geschützt
📌 2. Zins-Swap (nur für größere Kredite)
→ Absicherung durch Tauschvertrag mit Bank – komplex, aber effektiv bei großen Summen
📌 3. Interne Rücklagen aufbauen
→ Für jede potenzielle Zinserhöhung ein „Zinspufferkonto“ einführen
💡 Tipp: Wenn ihr einen variablen Kredit wählt, plant das Zinsrisiko genauso wie die Tilgung mit ein!
7. Fazit: Variabler Zinssatz kann sich lohnen – aber nicht für jeden
📌 Ein variabler Zinssatz ist kein Fehler – aber er ist auch kein Selbstläufer.
✅ Gut geeignet für:
✔ Kurze Laufzeiten
✔ Flexible Rückzahlung
✔ Phasen fallender oder stabiler Zinsen
✔ Unternehmen mit Liquiditätsreserven
❌ Nicht geeignet für:
✘ Lange Laufzeiten
✘ Enge Budgets
✘ Zinsunsichere Zeiten ohne Absicherung
✘ Risikoscheue Unternehmer
💡 Tipp: Ihr müsst eure Zinsstrategie genauso bewusst wählen wie euer Investitionsobjekt.
💬 Habt ihr bereits Erfahrung mit variablen Zinsen gemacht – positiv oder negativ? Oder plant ihr gerade ein neues Projekt und seid unsicher? Schreibt’s mir in die Kommentare – ich helfe gern weiter!