Wer einen Investitionskredit beantragt, wird früher oder später mit der Frage konfrontiert:
„Welche Sicherheiten können Sie uns stellen?“
Für viele Unternehmer – vor allem Gründer oder kleinere Betriebe – ist das ein unangenehmes Thema. Denn: Nicht jeder hat Immobilien oder Maschinen auf Halde. Aber keine Sorge: Es gibt viele Formen von Sicherheiten – und nicht alle müssen materiell sein.
In diesem Artikel erfahrt ihr:
✅ Warum Sicherheiten für Banken so wichtig sind,
✅ Welche Arten von Sicherheiten es gibt,
✅ Was ihr tun könnt, wenn ihr (noch) keine Sicherheiten habt,
✅ Und wie ihr clever verhandelt, um trotzdem einen Kredit zu bekommen.
1. Warum bestehen Banken auf Sicherheiten?
📌 Die Bank will das Risiko absichern, dass ihr den Kredit nicht (vollständig) zurückzahlen könnt.
Sicherheiten geben der Bank ein „Pfand“, auf das sie im Ernstfall zurückgreifen kann.
💡 Tipp: Je besser eure Bonität und je mehr Sicherheiten ihr bietet, desto niedriger ist meist euer Zinssatz.
2. Welche Arten von Sicherheiten gibt es?
Hier eine Übersicht der gängigsten Sicherheiten – inklusive ihrer Vor- und Nachteile:
🏠 1. Grundschuld / Hypothek
→ Eintragung auf eine Immobilie (z. B. Betriebsgebäude, Halle, private Immobilie)
✅ Sehr beliebt bei Banken
❌ Eingriff ins Eigentum, Notar & Grundbuch nötig
❌ Bei Tilgungsproblemen droht Zwangsverwertung
💡 Tipp: Auch private Immobilien (Eigentumswohnung, Haus) können als Sicherheit eingesetzt werden – sofern ihr bereit seid, dieses Risiko zu tragen.
🛠 2. Sicherungsübereignung von Maschinen & Fahrzeugen
→ Die Bank wird rechtlicher Eigentümer, ihr bleibt „Besitzer“
✅ Gut für Investitionskredite zur Anschaffung von Maschinen, Anlagen, Fuhrpark
❌ Bank kann bei Zahlungsausfall Zugriff nehmen
❌ Wertverfall & schwer kalkulierbare Wiederverkaufspreise
📦 3. Warenlager / Vorräte
→ Nicht ganz so beliebt, aber möglich bei großen Lagerbeständen mit Marktwert
✅ Nutzt euer gebundenes Kapital
❌ Schwankende Werte, schwierige Bewertung
📃 4. Forderungsabtretung (z. B. aus Kundenrechnungen)
→ Ihr tretet offene Forderungen (z. B. aus Lieferungen) an die Bank ab
✅ Ideal bei regelmäßigem Zahlungseingang
❌ Eingeschränkte Verfügbarkeit, nicht jeder Kunde darf abgetreten werden
💡 Tipp: Funktioniert besonders gut in Verbindung mit Factoring.
🤝 5. Bürgschaft
→ Eine andere Person (oder Institution) verpflichtet sich, im Notfall für euren Kredit einzustehen
✅ Besonders bei fehlenden Sachwerten hilfreich
✅ Möglich über Bürgschaftsbanken oder private Mitgesellschafter
❌ Persönliche Haftung – oft heikel im Familienkreis
❌ Bürgschaftsbanken verlangen Bearbeitungsgebühren
💼 6. Lebensversicherungen, Wertpapiere, Rücklagenkonten
→ Ihr könnt auch Kapitalanlagen als Sicherheit einsetzen
✅ Schnell verfügbar, gut bewertbar
❌ Verfügbarkeit ist eingeschränkt, solange der Kredit läuft
3. Was, wenn ich keine Sicherheiten habe?
Kein Grund zur Panik – es gibt trotzdem Wege zur Finanzierung:
🟢 1. Förderkredite mit Haftungsfreistellung
z. B. KfW StartGeld oder ERP-Kredit
→ Die KfW übernimmt bis zu 80 % des Risikos
→ Hausbank hat weniger Sicherheitenbedarf
🟢 2. Bürgschaftsbank einschalten
→ Die Bürgschaftsbank eures Bundeslands stellt eine Ausfallbürgschaft zur Verfügung
→ Ihr braucht selbst keine Immobilie oder Maschine
🟢 3. Teilfinanzierung oder Kombination mit Leasing
→ Den einen Teil finanziert ihr über einen Kredit, den anderen über Leasing – dort werden oft geringere Sicherheiten verlangt
🟢 4. Private Beteiligung oder Crowdinvesting
→ Investoren oder Plattformen steigen ein und bringen Eigenkapital ein
→ Dieses verbessert eure Bonität und senkt das Sicherheitenproblem
💡 Tipp: Gute Vorbereitung & Kommunikation sind hier entscheidend – je klarer euer Geschäftsmodell, desto eher sagen auch Förderpartner oder Investoren „ja“.
4. Wie viel Sicherheit will die Bank überhaupt?
📌 Faustregel:
Je höher der Kreditbetrag, desto mehr Sicherheiten.
Beispiel:
- Kreditbetrag: 100.000 €
- Erwartete Besicherung: 60–100 % des Kreditvolumens
Aber:
👉 Bei sehr guter Bonität oder mit staatlicher Absicherung genügen oft weniger Sicherheiten oder es wird auf sie verzichtet.
💡 Tipp: Zeigt der Bank euren Businessplan, eure Rückzahlungsfähigkeit und eure betriebliche Stabilität – das kann das Sicherheitsbedürfnis reduzieren.
5. Fehler bei Sicherheiten – und wie ihr sie vermeidet
🚫 1. Mehr Sicherheiten geben als nötig
→ Gebt der Bank nicht gleich alles – ihr braucht Spielraum für zukünftige Kredite.
🚫 2. Nur private Sicherheiten anbieten
→ Wenn’s hart auf hart kommt, gefährdet ihr eure Existenz. Prüft Alternativen!
🚫 3. Sicherheiten ohne Prüfung abtreten
→ Lasst Verträge IMMER prüfen – insbesondere bei Bürgschaften!
🚫 4. Keine Nachweise beibringen
→ Maschinen ohne Kaufbeleg oder veraltete Wertgutachten? Das überzeugt niemanden.
🚫 5. Sicherheiten „verstreuen“
→ Besser: Ein klar strukturiertes Sicherheitenkonzept mit Prioritäten – das wirkt professionell.
6. Fazit: Mit dem richtigen Sicherheitskonzept zum Investitionskredit
📌 Sicherheiten sind ein wichtiges Thema – aber kein Hindernis, wenn ihr gut vorbereitet seid.
Ob Immobilie, Maschine, Bürgschaft oder Förderprogramm – es gibt viele Wege zur Besicherung eures Kredits.
✅ Das Wichtigste:
✔ Reicht nur so viele Sicherheiten ein wie nötig
✔ Kombiniert verschiedene Sicherheitenformen, wenn es passt
✔ Nutzt Förderprogramme und Bürgschaftsbanken, wenn Sachwerte fehlen
✔ Verhandelt eure Konditionen aktiv – Sicherheiten sind keine Einbahnstraße
💡 Tipp: Wer das Thema Sicherheiten strategisch angeht, verbessert seine Chancen – und bekommt meist bessere Konditionen.
💬 Welche Sicherheiten habt ihr schon mal eingesetzt? Oder habt ihr Fragen zu eurer konkreten Situation? Schreibt’s in die Kommentare – ich helfe euch gern weiter!