Wenn man einen Investitionskredit aufnimmt, schaut man meist zuerst auf die Zinsen. Aber mindestens genauso wichtig ist ein anderer Punkt: die Tilgung.
Wie und wann ihr euer Darlehen zurückzahlt, beeinflusst nicht nur eure monatliche Belastung, sondern auch eure Gesamtzinskosten, eure Liquidität – und manchmal sogar eure Bonität.
In diesem Artikel erfahrt ihr:
✅ Welche Tilgungsarten es gibt,
✅ Wie ihr die passende Strategie für euer Unternehmen findet,
✅ Welche Fehler ihr vermeiden solltet – und wie ihr bares Geld sparen könnt.
1. Was bedeutet „Tilgung“ beim Investitionskredit?
📌 Tilgung bedeutet: Rückzahlung des eigentlichen Kreditbetrags (Kapital), im Gegensatz zu den Zinsen, die ihr zusätzlich bezahlt.
Ein Investitionskredit besteht also immer aus zwei Teilen:
- 🔸 Zinsen für das geliehene Geld
- 🔸 Tilgung = Rückzahlung der Schuld
💡 Je schneller ihr tilgt, desto schneller sinken eure Zinskosten – aber auch eure monatliche Belastung steigt. Es geht also um den richtigen Mix aus Tempo und Liquidität.
2. Welche Tilgungsarten gibt es?
Hier die gängigsten Modelle, die ihr kennen solltet:
✅ 1. Annuitätentilgung (klassisches Modell)
- Ihr zahlt gleichbleibende monatliche Raten (Annuitäten)
- Diese bestehen aus einem Zinsanteil + Tilgungsanteil
- Mit der Zeit sinken die Zinsen, die Tilgung steigt
Beispiel:
- Kredit: 100.000 €
- Laufzeit: 10 Jahre
- Zinsen: 3 %
→ Monatlich ca. 965 € konstant
💡 Vorteil: Planbare, gleichbleibende Belastung
✅ 2. Ratentilgung (konstante Tilgung)
- Tilgungsanteil ist immer gleich hoch
- Die Zinsbelastung sinkt mit jeder Rate, weil die Restschuld kleiner wird
- Gesamtrate nimmt im Laufe der Zeit ab
Beispiel:
- Monat 1: 1.250 € (1.000 Tilgung + 250 Zins)
- Monat 24: 1.050 €
- Monat 120: 1.008 €
💡 Vorteil: Günstiger über die Laufzeit, weil ihr schneller Schulden abbaut
❗ Nachteil: Anfangs höhere Monatsraten
✅ 3. Endfällige Tilgung (bullet loan)
- Während der Laufzeit: Nur Zinsen zahlen
- Tilgung: Komplett am Ende in einer Summe
Wird oft mit einem Sparvertrag oder einer Rücklage kombiniert
💡 Vorteil: Niedrige laufende Belastung
❗ Hohe Schlusszahlung – nur für Profis oder bestimmte Modelle geeignet (z. B. Leasingrücklagen)
✅ 4. Tilgungsfreie Anlaufjahre
- In den ersten 1–3 Jahren: Nur Zinsen zahlen, keine Tilgung
- Danach: Klassische Rückzahlung
Besonders beliebt bei KfW-Förderkrediten oder in der Startphase eines Projekts
💡 Vorteil: Mehr finanzieller Spielraum in der Aufbauphase
❗ Danach steigen die Raten deutlich – vorher planen!
3. Welche Tilgungsstrategie ist die richtige für euch?
Die perfekte Tilgung hängt von eurer Unternehmenssituation ab:
💼 Ihr seid in der Wachstumsphase:
→ Tilgungsfreie Jahre + Annuität
→ Fokus auf Liquidität
⚙ Ihr finanziert langlebige Maschinen:
→ Annuität oder Ratentilgung über 7–10 Jahre
→ Tilgung entlang der Nutzungsdauer
💰 Ihr habt regelmäßige Überschüsse & Cashflow:
→ Ratentilgung oder Sondertilgungen einbauen
→ Schnellere Entschuldung = weniger Zinsen
🧾 Ihr habt Förderkredite mit Sonderregeln:
→ KfW, L-Bank & Co. geben oft den Tilgungsplan vor
→ Trotzdem lohnt es sich, nach flexiblen Varianten zu fragen!
4. Sondertilgung – euer Ass im Ärmel
Mit Sondertilgungen könnt ihr außerplanmäßig Geld zurückzahlen – z. B. wenn ihr einen größeren Auftrag abgeschlossen oder eine Rückzahlung erhalten habt.
📌 Achtet auf:
- Wie viel pro Jahr ist kostenlos erlaubt? (z. B. 5–10 % der Restschuld)
- Gibt es Vorfälligkeitsentschädigung bei größeren Beträgen?
- Ist der Kredit überhaupt sondertilgungsfähig?
💡 Tipp: Verhandelt Sondertilgungen direkt beim Kreditabschluss mit – später ist es oft nicht mehr möglich.
5. Häufige Fehler bei der Tilgungsplanung – und wie ihr sie vermeidet
🚫 1. Zu kurze Laufzeit wählen, um „schnell fertig“ zu sein
→ Klingt gut, belastet aber die Liquidität enorm – Risiko für Engpässe
🚫 2. Zu lange Laufzeit – ohne Sondertilgung
→ Ihr zahlt über viele Jahre hohe Zinsen, obwohl ihr mehr Spielraum hättet
🚫 3. Keine Rücklagen für Ratenschwankungen
→ Gerade bei Ratentilgung oder Zinsanpassungen wichtig
🚫 4. Tilgungsfreie Jahre nicht einplanen
→ Die Erleichterung kommt mit späterer Mehrbelastung – nicht unterschätzen!
🚫 5. Tilgung „nach Gefühl“ wählen
→ Immer auf Liquiditätsplanung & Cashflow achten – nicht nur auf Wunschrate
6. Fazit: Die richtige Tilgungsstrategie spart Geld – und schützt eure Liquidität
📌 Tilgung ist nicht nur Rückzahlung – sie ist strategisch.
✅ Das Wichtigste im Überblick:
✔ Annuität = gleichmäßige Belastung, gut planbar
✔ Ratentilgung = schneller günstiger, anfangs belastender
✔ Endfällige Tilgung = nur für Sonderfälle
✔ Tilgungsfreie Jahre = ideal für Gründung oder Umbau
✔ Sondertilgung = Flexibilität, wenn Geld übrig ist
💡 Tipp: Lasst euch von eurer Bank nicht einfach das Standardmodell geben – sondern verhandelt aktiv eure Tilgungsoptionen mit.
💬 Wie habt ihr eure Tilgung geplant? Lieber schnell weg mit der Schuld – oder lieber flache Raten? Schreibt’s in die Kommentare, ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!