Viele, die sich zum ersten Mal mit Kredite für Unternehmer beschäftigen, stolpern irgendwann über den Begriff „Betriebsmittelkredit“. Klingt erstmal ähnlich wie ein Investitionskredit – ist es aber nicht. Und das kann in der Praxis ein gewaltiger Unterschied sein.
Ich möchte heute erklären, worum es bei einem Betriebsmittelkredit wirklich geht, wie er sich vom Investitionskredit unterscheidet – und wann welcher sinnvoll ist.
Der Zweck entscheidet alles
Ein Investitionskredit ist dafür da, Werte zu schaffen. Also Maschinen, Fahrzeuge, Software, Einrichtung oder auch ein Firmengebäude. All das sind Dinge, die ihr lange nutzen könnt und die langfristig zum Unternehmenserfolg beitragen.
Ein Betriebsmittelkredit hingegen ist viel kurzfristiger gedacht. Er dient dazu, laufende Kosten zu decken: Materialeinkauf, Löhne, Pacht, Werbung, Steuerzahlungen, Zwischenfinanzierung von Aufträgen. Also alles, was nicht bleibt – sondern durchläuft.
Das heißt: Der Investitionskredit schafft Substanz. Der Betriebsmittelkredit sichert Liquidität.
Wenn das Geld im Umlauf ist – aber nicht zurückkommt
In der Praxis erlebe ich oft Situationen, in denen Unternehmer zwar volle Auftragsbücher haben, aber trotzdem mit dem Rücken zur Wand stehen. Warum? Weil der Kunde erst in 60 Tagen zahlt, aber der Lieferant heute das Material sehen will.
Genau da greift ein Betriebsmittelkredit. Er ist wie ein Puffer, ein Überbrücker. Er hilft euch durch die Phasen, in denen das Geld zwar unterwegs ist, aber eben noch nicht da.
Klar, man kann auch mit Eigenmitteln arbeiten – aber gerade in Wachstumsphasen oder bei Engpässen braucht man manchmal einfach eine Zwischenlösung.
Unterschiede bei der Beantragung
Was vielen nicht bewusst ist: Auch die Kreditprüfung läuft anders. Bei Investitionskrediten schaut die Bank oft auf das Anlagegut. Das ist greifbar, hat einen Wiederverkaufswert, kann im Zweifel sogar als Sicherheit dienen.
Beim Betriebsmittelkredit sieht das anders aus. Da zählt eure Bonität, eure aktuelle Liquiditätsplanung, eure Kundenstruktur. Die Bank will wissen, ob ihr wirklich in der Lage seid, kurzfristige Mittel sinnvoll einzusetzen – und vor allem auch zurückzuzahlen.
Deshalb ist eine gute BWA, eine klare Aufstellung eurer Außenstände und Verbindlichkeiten und eine ehrliche Einschätzung der Liquiditätsentwicklung wichtig.
Typische Laufzeiten – und worauf ihr achten solltet
Ein Betriebsmittelkredit läuft oft nur sechs Monate oder ein Jahr. Er ist darauf ausgelegt, sich schnell wieder auszugleichen. Manche Unternehmen nutzen dafür auch Kontokorrentlinien – also flexible Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto.
Aber Achtung: Diese Flexibilität hat oft ihren Preis. Die Zinsen sind deutlich höher als bei langfristigen Investitionskrediten. Und wer den Betriebsmittelkredit „vergisst“ und ihn jahrelang mitschleppt, tappt schnell in eine Schuldenfalle.
Meine Empfehlung: Nutzt Betriebsmittelkredite wirklich nur temporär. Und baut sie ab, sobald das Geld aus dem Umsatz da ist.
Fazit: Zwei Kredite – zwei Welten
Auch wenn beides unter „Unternehmensfinanzierung“ fällt – ein Investitionskredit ist eine andere Hausnummer als ein Betriebsmittelkredit. Der eine schafft neue Werte, der andere schützt euch vor dem Kippen im Alltag.
Wenn ihr investiert, plant langfristig. Wenn ihr Liquidität sichern müsst, handelt vorausschauend – und nutzt die richtigen Instrumente.
Am Ende geht es wie immer darum, den Überblick zu behalten. Und die Finanzierung so zu gestalten, dass sie euch nicht nur heute hilft – sondern euch auch morgen nicht einholt.